Eugen Gabowitsch, Karlsruhe

 

Stratigraphie: eine wissenschaftliche Methode oder ein gelungener Griff?

 

Will man die Schichtenfolgen ins 13.-15. J. datieren, - was war dann davor, wo der Ausgräber nichts mehr findet? Lautet die dritte Frage von  Müller, die wir schon vorher betrachtet haben. Hier wird uns die Tatsache interessieren, dass  Müller von irgendwelchen abstrakten, angenommenen, nicht präsentierten und nicht beschriebenen Schichtenfolgen spricht, um meine und Edwin Johnson’s (von Uwe Topper beschriebene) geschichtskritische Analyse in Frage zu stellen. Die Tatsache, dass dieser Versuch nicht klar genug beschrieben wurde (von welchen beiden Faktoren spricht sie?) spielt hier eine untergeordnete Rolle.

Was bedeutet, dass eine Hochkultur sich „stratigraphisch ... niedergeschlagen hat“? Wenn die brauchbaren Stratigraphien (und die kann nur die Archäologie erzeugen) in einem der Länder noch fehlen, ist dann jegliche kritische Analyse der Geschichtsschreibung für dieses Land ein Tabu? Einet (Wiederherrstellen)Es scheint leider, dass die Erwähnung der abstrakten Schichtenfolgen zu einer schlechten Gewohnheit wurde. Insbesondere  Heribert Illig liebt die Forschungsarbeit der anderen schlecht zu machen ohne sie sogar zu lesen. Dafür reicht ihm, wie er meint, nur zu behaupten, dass diese anderen die Stratigraphie nicht berücksichtigen, wobei für Illig keine Rolle spielt, ob die entsprechenden Schichtenfolgen auch wirklich vorhanden sind, ob sie überhaupt eingesetzt werden können etc. Schichtenfolgen als eine Keule, mit der man gefährliche und erfolgreichere Konkurrenten aus der Ferne „erschlägt“!

Wie kam es zu diesem unrühmlichem Zustand in der deutschen Geschichtskritik?

Stratigraphische Evidenz – was ist das? Ist das eine neue wissenschaftliche Methode, die Christoph Marx und Gunnar Heinsohn entwickelt und in einem spektakulären Fall angewendet haben? Christoph Marx erlernte die Schichtenfolgen der meisten berühmten Ausgrabungen im Nahen und Mittleren Osten und merkte, dass die Schichten, die der Zivilisation der Sumerer zugeschrieben werden, eine fast volle Übereinstimmung mit den Schichten einer anderen Zivilisation demonstrieren. Diese Entdeckung wurde dann mit Heinsohn diskutiert.

Eigentlich weiss jeder Archäologe, dass man die von seinen Vorgängern beschriebenen Schichten berücksichtigen sollte. Nur tun das die wenigsten von ihnen: das gespannte Leben eines Archäologen verlangt zu viel Aufmerksamkeit für alles Mögliche. Man muss Geld für die Ausgrabung finden, Mannschaft zusammenklopfen, die Ausgrabungen überwachen und beschreiben. Man muss wachsam bleiben, weil Studenten und andere nicht besonders ernsthafte Leute Scherzgegenstände in die Erde zu vergraben versuchen, um den Archäologen bloßzustellen (Vielleicht wissen die jungen Archäologen, wie viel bei Ausgrabungen traditionell gemogelt wird, aber nur derjenige wird später zum Archäologen gekürt, der diese Kenntnisse in sich erfolgreich unterdrückt hat).

Und ständig wird vom Archäologen nicht nur eine Veröffentlichung, sondern auch eine historische Verbindung und Datierung erwartet, was oft objektiv nicht möglich ist. In dieser unmöglichen Stresssituation bleibt einem Archäologen oft keine reelle Möglichkeit, die Stratigraphie der eigenen Ausgrabung durchzudenken, geschweige denn mit unzugänglichen (weil oft nur in nicht veröffentlichten Berichten beschrieben) Schichtenfolgen der anderen Ausgrabungen zu vergleichen. Also ist die stratigraphische Evidenz vermutlich keine neue Methode, sondern nur ein zusätzlicher Versuch, auf die Wichtigkeit der Stratigraphie aufmerksam zu machen.

Aber zurück zu Marx und Heinsohn. Die zweite Zivilisation wurde an einer anderen Stelle archäologisch untersucht und sollte einer um ca. 2000 Jahre jüngeren Epoche entstammen. Das war die Zivilisation der Chaldäer (Ob nun diese einigermaßen richtig datiert wurde, kann angezweifelt werden, aber das spielt zuerst keine Rolle). Aus dieser Beobachtung machten die Beiden eine wichtige Folgerung, dass es keine selbständige Zivilisation der Sumerer gab, mindestens keine, die sich von der der Chaldäer wesentlich unterschied. In zwei gemeinsamen Berichten und in einem 1988 von Heinsohn veröffentlichten Buch wurden die entsprechenden Argumente präsentiert. Die Autoren behaupteten, dass es keine Sumerer gab.

Man könnte auch sagen, Heinsohn hat in [5] die Datierung der Sumerer um 2000 Jahre gekürzt. Nun ist diese Kürzung nur dann eine richtige Kürzung, wenn wir keinen Grund mehr haben, an der Datierung der Zivilisation der Chaldäer zu zweifeln. Und so weit sind wir noch lange nicht! Dieses Beispiel zeigt, dass sogar in den seltenen spektakulärsten Fällen, in welchen diese Methode wirklich anwendbar ist, die betrachtete Methode nur eine relative Datierung ändern kann, keine absolute.

Zusammen mit Herrn Heribert Illig, wandte Heinsohn diese Methode bei der kritischen Erforschung der Vorstellungen der Historiker über die Vorgeschichte an. In diesen etwas weniger spektakulären Fällen diente die Untersuchung der Schichten in erster Linie der Demonstration der Auswirkung von mehreren katastrophalen Überschwemmungen auf die Bildung einer dicken Ablagerungsschicht in mehreren von den prähistorischen Menschen wiederholt benutzten Höhlen.

Auch hier brachte die stratigraphische Analyse eine sehr starke Reduzierung der Chronologie: nicht für die Geschichte, aber für die sogenannte Vorgeschichte. Die vorgeschichtliche Periode wurde um eine Größenordnung gekürzt. Dieses hervorragende Ergebnis dient für die ganze Chronologiekritik als wegweisend: immer mehr Chronologiekritiker kommen zum Schluss, dass auch die geschichtliche Chronologie auf ihren längsten Stellen etwa um den Faktor 10 zu kürzen ist.

Was kann und was kann die stratigraphische Evidenz nicht? Der Vergleich der Schichten im Sinne der stratigraphischen Evidenz kann nur dann angewendet werden, wenn man mehrere Ausgrabungen durchgeführt hat, bei welchen auch die Schichtenfolgen akribisch beschrieben wurden. Und das ist nur sehr selten der Fall. In den meisten Fällen in China werden die Ausgrabungen so durchgeführt, dass man nur eine Fundstelle aus einer kurzen Zeitperiode freilegt und sich um die Schichten unter der Fundstelle oder oberhalb dieser nicht kümmert. Auch in Indien sind die meisten Ausgrabungen eben solche, wo man Ruinen auf der Oberfläche ausgegraben hat und keine Stratigraphien produzierte.

Ich vermute an dieser Stelle, dass die Archäologen, die in China arbeiten, eigentlich selber wissen, dass die chinesische Geschichte einer intensiv gebauten geraden Strasse ähnelt, einem liegenden Wolkenkratzer, der zu einem richtigen Wolkenkratzer erklärt wurde. Die Häuser mit den Nummern 1 und 2 wurden zum Erdgeschoss des Wolkenkratzers erklärt, die nächsten zwei für die Räume auf der 1OG etc. So kann man gleichzeitig (oder auch nacheinander) mehrere Geschosse (Dynastien der chinesischen „Geschichte“) erforschen, aber man kann so bei fast keiner Ausgrabung die zusätzlichen Schichten finden, die anderen Dynastien klar entsprechen. Die wenigen Ausnahmen aus dieser allgemeinen Regel sollten uns nicht zu Irrschlüssen verleiten.

Die stratigraphische Evidenz ist eine sehr raffinierte, aber leider nur begrenzt anwendbare Methode. (Versuchen Sie, meine Leser, sich zu erinnern, wie oft Sie in geschichtlichen oder archäologischen Büchern Beschreibungen von nacheinander folgenden Schichten gesehen haben.) Sie kann dort und nur dort versuchsweise angewendet werden, wo die archäologischen Schichten vorhanden sind. Und das – nicht nur in China - ist eher eine Ausnahme, als eine Regel (Oder die Schichtenfolgen sind so eindeutig unterschiedlich, dass man auf dem Weg nichts erreichen kann). Schon die Tatsache, dass die ersten Erfolge der oben erwähnten Forscher keine Fortsetzung fanden (sonst hätten sie schon längst ein Buch „Die Methode der stratigraphischen Evidenz“

 veröffentlicht und zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten erörtert) spricht für die Seltenheit der entsprechenden Möglichkeiten.

Ausserdem sollte man bei dieser Methode den Wagen nicht vor das Pferd stellen: Zuerst muss das historische Basismodell stimmen. Ist das nicht der Fall (wie bei traditionellen Historikern und leider auch bei einigen Chronologiekritikern, die durch die „Beschneidung“ der traditionellen Geschichtsschreibung vergebens zu einem richtigen neuen Basismodell der Geschichte zu gelangen versuchen), werden die von fleißigen Archäologen entdeckten und beschriebenen Schichten falsch interpretiert. Dann werden sie den nie in Wirklichkeit existiert  habenden Dynastien, Reichen, Kulturen etc. zugeordnet.

Wenn wir ein falsches Geschichtsbild vor Augen haben, können allerlei weitere Fehler passieren. Wir können z. B. eine vorgeschichtliche Schicht, über die wir  keine narrative Information besitzen, versehentlich doch einer „historischen“ Schicht zuordnen. Darum noch wichtiger als die strenge stratigraphische Analyse sollte eine andere Forderung an die Archäologen sein: die Archäologie sollte ihr Paradigma ändern und zu versuchen, aus einer „Hilfswissenschaft“, einer Dienerin und Unterstützerin der Geschichte zu einer absolut unabhängigen geschichtlichen Wissenschaft zu werden. Die Archäologie sollte eigene, total unabhängige Forschungsmethoden entwickeln und sich von jeglicher von Historikern gelieferten Information distanzieren. Nur dann wird sie wirklich wertvolle Ergebnisse liefern können, die zur Überprüfung der Geschichte angewendet werden könnten.

Also bei allem Respekt vor den wirklichen wissenschaftlichen Leistungen der Ideologen der stratigraphischen Evidenz, muss ich folgendes wiederholen: Wenn wir ganz falsche historische Vorstellungen haben und darum auch die entsprechenden Schichten total falsch deuten (auch datieren), dann kann uns ein strenger Vergleich der Schichtenbeschreibungen nicht weit bringen. Also überlassen wir lieber jedem Autor das Recht zu entscheiden, ob er die Stratigraphie benutzen kann oder nicht.

Stratigraphie als Knüppel. Die Erwähnung der Stratigraphie in [2] hat einen allgemeinen und leider nicht ganz harmlosen Charakter. Diese Tradition geht von Illig aus und ich habe gegen sie schon früher protestiert: wie wir  Illig nicht vorschreiben können, dass er in seinen Büchern und Artikeln mehr Mathematik verwenden sollte (sonst würden wir seine Arbeiten für nichtig erklären), so können wir keinem Chronologiekritiker vorschreiben, wie viel Stratigraphie er benutzen sollte. Aber Illig tut das wieder und wieder. Am 8. Nov. 2001 veröffentlichte er eine kurze Bemerkung „Noch pergamentgläubiger“ in der FAZ. Dort schreibt er:

„Die Mediävisten sind also mit sechsjähriger Verzögerung auf A.T. Fomenko und seine Gruppe aufmerksam geworden, so aufmerksam, dass gleich eine Verbindung zu meiner Person geschlagen wird. (Welche sechs Jahre? Fomenko veröffentlicht schon seit 30 Jahren Werke mit Kritik der Geschichtsschreibung! Ach, ja, Illig kennt nur ein Ereignis in der Geschichte: wann wurden die Geschichtler auf ihn aufmerksam. – E.G.) Insofern möchte ich auf folgendes aufmerksam machen: Fomenko und die Seinen sind fast noch pergamentgläubiger als die Mediävisten selbst. Diese können ihnen sehr einfach mit ein paar Stratigraphien und sonstigen archäologischen Befunden begegnen, was auch der Angestrebten „Querfachlichkeit“, vulgo Interdisziplinarität entspräche.“

Lassen wir ausser acht, dass der Chronologiekritiker Illig hier den Mediävisten Ratschläge erteilt, wie sie dem Chronologiekritiker „Fomenko und den Seinen“ begegnen sollten. Sowieso „dafür müssten die Mediävisten allerdings   mehr von Archäologie wissen.“ (Erinnern wir uns auf die These: Wir sind die besseren Historiker! In Wirklichkeit wird hier die  Menge der Kenntnisse keinem helfen. Nicht einem Mediävisten, nicht einem Illig: die historischen Basismodelle bestimmen das Verhalten und nicht die Kenntnisse. Man kann die Kenntnisse immer irgendeine aus dem Basismodell abgeleitete Forderung entsprechend erklären, /BEMERKUNG: neue Version unverständlich, alte ist besser/ es wird immer die eine oder andere „Stratigraphie“ beim Andersdenkenden fehlen   - E.G).

Konzentrieren wir uns lieber auf den Ausdruck „ein paar Stratigraphien“. Wirklich, da hat Illig ein Wundermittel entdeckt, um jeden auf seinen bescheidenen Platz zu verweisen: die Mediävisten und die ganze russische geschichtskritische Szene, die sich übrigens schon längst nicht mehr alleine um Fomenko und Nossovskij konzentriert, sondern unterschiedliche Projekte, Kreise, Treffs, Foren und vieles mehr vorzuweisen hat, auch sehr originelle Autoren, wie z. B. Prof. Jaroslaw Kessler. Mit diesen „ein paar Stratigraphien“, die Illig bestimmt selber noch nicht kennt, erklärt er die chronologiekritische Arbeit von vielen hervorragenden russischen Autoren für nichtig. Von Autoren, die er nicht einmal per Namen kennt, geschweige denn als einer der zahlreichen Leser der entsprechenden Bücher.

Ist das vielleicht nicht Nationalismus höchsten Grades? Ich muss diese Frage stellen, weil im erwähnten Brief Illig weiter das Folgende schrieb:

„So bleibt die Mediävistik die Steigbügelhalterin von Fomenko,  G.V. Nosovski und einer zunehmend nationalistischen Geschichtsschreibung, die sich auch hierzulande breitmacht, indem ein totalitärer Popanz wie Karl der Große ausgerechnet als Ahnherr eines demokratischen Europas propagiert wird.“

Ich bin kein Freund der heutigen, die neue Chronologie leugnenden Mediävistik, obwohl alle Geschichtskritiker, die sich mit dem Mittelalter befassen, auch die von diesem Zweig der traditionellen Geschichte produzierten Werke intensiv benutzen. Aber eine pauschale Beschuldigung der russischen Chronologiekritiker halte ich nicht nur für falsch (und  Illig kennt meine Argumente: er hat sie schon vor Jahren in seiner eigenen Zeitschrift veröffentlicht), sondern im Falle von Illig auch unehrlich. Er versucht nur seine „Konkurrenten“ mies zu machen, ohne sie gelesen zu haben.

Überlassen wir die Bekämpfung der nationalistischen Tendenzen in der russischen Chronologiekritik den russischen Chronologiekritikern. Und sie tun das hervorragend: jeder (jedem?) Versuch der Ideologisierung der Geschichtskritik wird öffentlich entgegengetreten, wie ich im Dezember 2001 in Moskau erlebte. Lieber stellen wir ganz klar fest: wir sind dafür, dass die Methode der stratigraphischen Evidenz auch in Russland und anderswo bekannt wird, dass die reellen Errungenschaften von unseren führenden Chronologiekritikern wie Marx, Heinsohn und Illig gebührend gewürdigt werden. Aber wir sind entschieden dagegen, dass die Stratigraphie zu einer Kriegskeule für die Niederschlagung Andersdenkender ausgebaut wird.

 Illig als Herausgeber der einzigen „dicken“ chronologiekritischen Zeitschrift in deutscher Sprache hätte viel mehr für die weitere Entwicklung der Geschichtskritik in Deutschland machen können. Zum Beispiel auf dem folgenden Weg:

v     Den Kriegspfad gegen die russische Chronologiekritik zu verlassen

v     Die Übersetzung von russischen chronologiekritischen Werken in die deutsche Sprache zu unterstützen.

v     Öfter Überblicke über die russische chronologiekritische Forschung zu veröffentlichen

v     Eine allgemeine methodische  Beschreibung der stratigraphischen Evidenz bei einem der Experten zu bestellen und die zu veröffentlichen.

Wer braucht die „lange“ Geschichte und wozu? Die traditionelle Geschichtsschreibung lebt selbstverständlich von der kaum übersichtlichen „Länge“ der Geschichte. Diese Länge entspricht nicht der geschichtlichen Vergangenheit von unseren Zivilisationen. Sie ist eine fiktive Länge, die aus pseudowissenschaftlichen Gründen künstlich in die Chronologie eingebaut wurde. Sie erlaubt den Geschichtlern unzählige Lehrstühle einzurichten, immer neue Mitarbeiter einzustellen, Bücher über die Krise der Geschichtswissenschaft zu schreiben und vieles mehr zu tun, was durchaus nützlich für die Beteiligten ist (nicht aber für die Menschheit, die bemüht ist, sich besser zu verstehen und dafür ein unverformtes Bild der Vergangenheit braucht).

Aber wieso unterstützt die Gesellschaft im ganzen diese falsche lange Geschichte? Das ist keine einfache Frage und ich bin mir nicht sicher, dass ich hier alle Gründe nennen kann. Vielleicht neigt die Menschheit allgemein zum Glauben: das erspart den meisten die Notwendigkeit des mehr oder weniger abstrakten Denkens. Und das abstrakte Denken ist vermutlich eine relativ neue Fähigkeit des Menschen, die noch nicht zum allgemeinen genetischen Erbgut der Menschheit geworden ist. Vielleicht spiegelt sich in dieser Situation der allgemeine Konservatismus des Menschen wider.

Zusätzlich zu diesen Vermutungen möchte ich einen Grund nennen, der nicht so sehr an der Oberfläche liegt: die globale ökologische Krise. Für ökologisch denkende Menschen ist schon längst klar, dass die ganze Menschheit in die falsche Richtung marschiert: wir erzeugen zu viele Kinder und haben schon längst die Linie überschritten, jenseits der die Natur nicht mehr imstande ist, sich zu regenerieren. Wir benutzen 10-20 mal mehr Ressourcen, als wir berechtigt sind, für uns in Anspruch zu nehmen. Und wir werden in den nächsten Jahrzehnten den Ressourcen-Verbrauch noch einmal stark erhöhen und so das Überleben der Menschheit auf der Erde einer sehr akuten Gefahr unterziehen. Diese Erde kann nur ca. 300-500 Millionen Menschen dauerhaft ernähren, ohne sich in einen Abgrund zu stürzen.

Wir sollten längst aufhören, über Wachstum, Wachstum und noch einmal Wachstum zu reden. Wachstum ist der größte Feind dieses Planeten. Aber er ist der beste Freund der Kapitalisten, die nur in Bilanzzahlen, Profitsummen, taktisch, aber nicht dauerhaft-strategisch denken. Wenn die Erde im Atomkrieg, Hungerkatastrophe, Virusepidemie eines bisher nicht erlebten Ausmaßes etc. untergeht, werden die wenigen führenden Kapitalisten – darauf hoffen sie, falls sie überhaupt über die Folgen des Wachstums ernsthaft nachdenken – sich im All auf künstlichen Planeten retten können.

Stellen Sie sich vor, wie viele Menschen zu überlegen beginnen, ob die Menschheit im ganzen sich richtig verhält, wenn sie begreifen, dass diese ganze Zivilisation nur einige Hunderte Jahre alt ist?! Heute beruhigen wir uns und die ganze Menschheit damit, dass wir jedem einzelnen Menschen seit seiner Kindheit den falschen Gedanken suggerieren: Diese Zivilisation ist Tausende von Jahren alt, sie hat schon viele Krisen überstanden und sie wird auch noch weitere Tausende von Jahren glücklich weiterleben. Aber in Wirklichkeit ist unsere Zivilisation sehr jung und sie schreitet mit zunehmender Geschwindigkeit in den Abgrund.

Erinnern wir uns doch, dass das mittlere Alter einer technogenen Zivilisation im All von einigen Wissenschaftlern auf ca. 500 Jahre geschätzt wurde. Wenn wir uns nicht besinnen werden (und dazu gehört auch die Anerkennung der kurzen neuen Chronologie), werden wir das genannte mittlere Alter nicht viel überschreiten.

 

Literatur

1. Gabowitsch, Eugen, Die Misere der indischen Chronologie, Synesis, Heft 6/2001

2. Müller, Angelika, Geschichtsloses Indien?, Synesis, Heft 1/2002

3. Bechert, H., Zum Ursprung des Geschichtsschreibung im indischen Kulturkreis, Göttingen, 1969.

4. Berzin, E.O., Südostasien seit ältesten Zeiten bis zum 13. Jh. (Russ.), Moskau, 1995.

5. Heinsohn, Gunnar, Die Sumerer gab es nicht: Von den Phantom-Imperien der Lehrbücher zur wirklichen Epochenabfolge in der "Zivilisationswiege" Südmesopotamien, Frankfurt am Main: Eichborn, 1988

6. Heinsohn, Gunnar, Was ist Antisemitismus? - Der Ursprung von Monotheismus und Judenhaß. - Warum Antizionismus?, Frankfurt am Main: Eichborn, 1988.

7. Heinsohn, Gunnar,  Wer herrschte im Industal? Die wiedergefundenen Imperien der Meder und der Perser, Gräfelfing: Mantis, 1993.

8. Heinsohn, Gunnar, Wie alt ist das Menschengeschlecht?, MANTIS, Gräfelfing, 1996.

9. Illig, Heribert, Die veraltete Vorzeit. Eine neue Chronologie der Prähistorie von Altamira, Alt-Europa, Atlantis über Malta, Menhire, Mykene bis Stelen, Stonehenge, Zypern; Scarabäus bei Eichborn Verlag, Frankfurt/M, 1988.

10. Illig, Heribert,  Chronologie und Katastrophismus. Vom ersten Menschen bis zum drohenden Asteroideneinschlag; Mantis Verlag, Gräfelfing, 1992.